Dieselmotorradtreffen in Hamm, September 2003

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Heute um zwei Uhr habe ich mich mit Jürn auf den Weg nach Hamm gemacht.

Wir verteten sowohl den MZ- und Gespannstammtisch Hannover, als auch die Akademische Gruppe für Kraftfahrwesen an der Universität Hannover, kurz Akakraft. Als Mitglied der Dieselmotorrad- und auch der MZ-Mailingliste will ich mir einen Eindruck vom aktuellen Stand der diversen Umbauten verschaffen.

Trotz Stau auf der A2 kommen wir heil an. Das Gelände ist für solch eine Veranstaltung ideal: Rechts ist eine große Fläche mit freilaufenden Schweinen, links grasen Pferde. Beide Areale sind mit Elektrozäunen gesichert. In der Mitte führt der Weg zu einem Gasthaus und rechts und links davon ist reichlich Günfläche für die Gäste. Statt "Bitte nicht in die Gegend pinkeln" haben die lokalen Vertreter "Elektrozaun!" auf große Tafeln geschrieben, die den heute Abend im Dunkeln anreisenden Fahrern erst am Morgen den Grund für verspannte Lenden verraten werden...

Wir gehen zum Gasthaus und sagen den in der Sonne sitzenden Leute Hallo. Unsere Grüße vom hannoveraner MZ- und Gespannstammtisch werden freundlich erwiedert, da die MZ auch gut vertreten ist. Neben MZ und den Enfield-Modellen Taurus und Centaurus sind sehr skurile Eigenbauten zu bewundern. Etwa 15 Maschinen sind schon angekommen, es werden über 100 erwartet. Dazu kommen noch die "Benziner", wie man hier sagt, wenn man Fahrzeuge ohne Selbstzündung meint. Der erste Film wird mit Bildern einer 1100er Suzuki gefüllt, die tapfer ihren Rahmen und das Fahrwerk geopfert hat, um einem 7 PS Stationärmotor eine neue, gummigelagerte Heimat zu geben. Die Zahl der Um-, Ab und Zubauten würden hier den Rahmen sprengen, ich werde einfach so schnell wie möglich die Bilder nachliefern.

Aus der Not der recht gemächlichen Fortbewegung mit dem Enfield Diesel wird oft mittels Einrad-Anhänger eine Tugend gemacht. Allerdings sollte man die 700 Euro für einen beuligen EBay-Anhänger lieber in eine Reise über die Dörfer Tschechiens investieren und so die in Tschechien heutzutage ungeliebten Java-Teile einer neuen Verwendung zuführen.

Während ich ein Taurus-Lastengespann begutachte, fällt mir das Kennzeichen "DAN-..." und der Schriftzug "Trebel" ins Auge und ich denke an Trebel-Ebi, mit dem wir schon viele Stunden im Wendland Kaffee getrunken und Benzin geredet haben. Zu meiner großen Freude treffe ich ihn kurz darauf. Neben dem Russen-Chinesen-Boxer immer aufgeschlossen für urige Gespanne, hat die Transportbox mit der Taurus ein würdiges Zugfahrzeug gefunden. Gemeinsam erleben wir die Ankunft der "Daihatsu-Gang", zwei Gespannen und einer Solo, die den japanischen Dreizylinder-Diesel in modifizierte Russen-Rahmen gesteckt haben. Der Tank passt zwar so nicht mehr auf das Motorrad, aber ein Reservekanister am Beiwagen reicht auch aus. Die Solo hat als Leckerbissen einen handgeleimten GFK-Tank unter dem Sitz. Dank EU ist die Solo ohne rotes Kennzeichen offiziell unterwegs, aber so richtig schwarz-weiss ist es irgendwie auch nicht...

Leider sind sowohl der Dieselfighter-Konstruktuer als auch der Hatz-Lois krankheitsbedingt nicht dabei, an dieser Stelle gute Besserung! Immerhin ist ein Hatz-Gespann zu besichtigen. Der Fahrer hat es zu seinem Bedauern erst 10.000 Kilometer ohne Probleme bewegen können. Für mehr problemlose Kilometer fehlt ihm leider die Zeit, da sonst seine anderen Fahrzeuge zickig werden.

Kurz nachdem der vorletzte Film voll ist, kommt eine der sehr seltenen NSU Diesel-Max auf das Gelände getuckert. Der Beiwagen bestand erst aus einem umgebauten 100 Liter-Bierfaß auf Superelastik und ist jetzt mit einem Flugzeugzusatztankteil aerodynamisch verbessert worden. Auch hier dient MZ-Material wieder als hervorragende und preisgünstige Basis für wilde Umbaumassnahmen.

Jürn gibt Bier und Wurst aus, danach gehe ich mit dem Telefon auf Geräuschejagd. Meiner Bitte, die Verbrennungsrückstände sauber in das MP3-Telefon bollern zu lassen, kommt erst Ebi mit der Taurus und danach der Hatz-Gespannfahrer nach. Während ich diese Zeilen tippere, blubbert der Winamp-Player abwechselnd Taurus und Hatz in verschiedenen Drehzahlbereichen aus den Boxen. Die Dreizlinderfahrer hatten es sich gerade gemütlich gemacht, als ich aufbrechen musste, die fahren mir aber auch noch vor das Mikro!

Mein persönlicher Favorit ist der Daihatsu-Diesel, obwohl ein Taurus wohl eher die vernünftige Version ist. Allein der Kuhfuß-lange Kickstarter, der den 3-Zylinder zum Leben erweckt, ist genial.

Eine MZ mit Diesel ist allerdings am interessantesten, da hier mit pfiffigen Umbauten (Hinterrad samt Bremse und Antrieb gedreht) Platz für Diesel-Triebwerk samt Enfield-Getriebe geschaffen wird.

Einerseits interessant und informativ, andererseits traurig finde ich die Berichte von Besuchen bei Tüv und Dekra. Der eine hat Glück in Deutschland, der nächste muss in europäischen Nachbarländern Zulassungs-Regulierungs-Asyl suchen. Aber irgendwie scheint das mittlerweile zum Motorradfahren dazuzugehören, wenn man nicht nur Neufahrzeuge fahren will. Warum soll man sich aber nicht auch als Otto-Normalkonsument die Rosinen aus Europa rauspicken?

Viel zu früh rufen uns Job und Familie zurück Richtung Hannover. Das nächste Jahr bin ich wieder da. Versprochen. Vielen Dank an die Organisatoren! Ich brauche noch ein paar Tage, um das Grinsen vom Gesicht zu bekommen :)

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