Gespann-Trial in Brockhoefe

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Am 12. und 13. März fand in Brockhöfe in der Nähe von Soltau der Fourstroke - 2 Tage-Trial statt[1].

Rudi Munstermann, von seiner Familie und Freunden tatkräftig unterstützt, hat rund 170 Starter, davon 11 Gespanne und 40 internationale Trialsportler auf 30 Sektionen verteilt.

Ben (Ural-Gespann) aus Hannover und ich (ETZ 251 mit Beiwagen) sind in knapp zwei Stunden über Land- und Kreisstraßen gen Nord-Nordost gefahren. Meine MZ-Instrumentennadeln verharren zumeist beide bei 10 nach 12, da meine Maschine noch nicht ganz eingefahren ist. Das Wetter ist durchwachsen, kurz vor Bergen gibt es Schneeregen, so dass die bekannte rote XXL-Kombi angelegt werden muss. Dieters ehenmalige Gamaschen schützen die BW-Stiefel gut vor der Nässe.

Gegen 13:00 Uhr vor Ort angekommen, peilen wir erstmal die Lage. Auf der rechten Straßenseite liegt ein Gelände mit einer Scheune und einem größeren Unterstand. Auf dem Feld befindet sich ein wildes Sammelsurium von PKW-Gespannen, Wohnmobilen, PKWs mit Heckträgern und Wohnwagen. Auch die umliegenden Straßen und Feldwege sind komplett zugeparkt. Moderne bunte Trialmaschinen samt bunter Fahrerinnen und Fahrer sowie klassisch gekleidete Trialer stehen auf ehemaliger Wiese bei der Fahrerbesprechung. Das Gras hat sich bei der ganzen Aufregung irritiert an den Rand des Platzes zurückgezogen und knöcheltiefem Schlamm das Feld überlassen.

Wir satteln ab und fragen nach den Gespannen. Paul fährt neuerdings mit seiner Montesa mit Beiwagen Trial und bekommt noch einen 4-Gang-Motor von mir. Der Plan war, dass ich seine Fahrten per Fotoapparat dokumentiere. "Die Gespanne sind da hinten in der Kiesgrube!" sagt uns Veranstalter Rudi, der etwas gestresst wirkt. In einem abgeplanten Scheunenbereich, der einmal ein Sägewerk beherbergt hat, steht er mit zig Kabeln in der Hand und elektrifiziert die Erbsensuppenkocher. Ben und ich stiefelen durch die Pampe in Richtung der Kiesgrube und entdecken mit geschultem Ohr eine 250er Trial-TS. Der Motor scheint aus einer ES zu stammen, da die Vergaserabdeckungsstege zu sehen sind. Der Kettenkasten ist aus Alu. Unter zornigem Zweitaktsingen arbeitet sich die Maschine samt Pilot den Berg hinauf.

Wir marschieren weiter und entdecken die Kiesgrube. Wieder gibt es keine Gespanne, dafür eine Cross-Simson als Trialversion. Sieht im Stand ganz gut aus, macht auch brutalst Krach, am Berg allerdings fehlt dann entweder Motor-Kraft oder Fahrer-Herz, es werden jedenfalls eifrig jene Punkte gesammelt, die es eigentlich zu vermeiden gilt. In der noch bewirtschafteten Kiesgrube wird auf den ersten Blick recht wahllos gebuddelt, sie sieht mehr wie der Strand von Norderney in den großen Schulferien aus.

Die Trialer stört das nicht, eher im Gegenteil, sie fühlen sich offensichtlich wohl, auch wenn einige erst mal die Dreckspritzer von den zahnbürstenrestaurierten Moppeds wischen, bis sie sich stoisch ihrem Schicksal ergeben.

Strandähnlich war dann auch die Bodenbeschaffenheit, weswegen die Grubenerkundung so anstrengend wie nass war. Gespannsuche in der Kiesgrube fühlt sich an wie Beach-Volleyball in Nasstaucherausrüstung. Die Frage nach dem Ort der Gespanne wurde allerdings nach wie vor mit einem Achselzucken beantwortet. Schließlich entdecken wir eine Gruppe von Trialpiloten, welche am Horizont im Wald verschwinden.

Wir schauen auf unsere schlammigen Schuhe und nickten uns zu: Die Ural ist das bessere Fortbewegungsmittel! Über-Gepäck wie Helme und Rucksäcke kommen in den Superelastik, ich übernehme eine _ gewichtige _ Aufgabe im Beiwagen der Ural. Die Feldwege sind zuerst noch recht einfach zu fahren, verlieren sich aber bald in einem Schnee-Sand-Erdmatsch, so dass Ben um seinen Endantrieb fürchtet. Nach weiteren hundert Metern ist sein Vertrauen in die eigene Technik wieder hergestellt, sogar ein Grinsen zeichnet sich ab. Jetzt setzt uns aber ein herber, horizontaler Schnee-Hagel-Regen zu. Unsere Brillen sehen durch den Schnee innerhalb kürzester Zeit aus wie Colaflaschenböden und sind auch genauso nutzlos. Zudem führen die Trialreifenspuren über den Rand eines Feldes.

Als Zweispurfahrzeug mit dem einen angetriebenen Rad links im frisch bestellt Feld ist da nichts zu machen, mein Vorschlag, doch den Rückwärtsgang zu nutzen, stößt auf taube Ohren... Zu Fuß ging es weiter, den Leuchtfarbe-Pfeilen folgend. Das Schneetreiben ist mittlerweile so dicht, dass wir nicht mehr weiter als einen Meter sehen können, zudem stechen die Flocken schmerzhaft ins Gesicht. Trial ist in der Regel nicht auf Zuschauer zugeschnitten, zumindest in seiner Reinform, wie wir es gerne mögen. Ich erzähle Ben vom LKW-Trial, wo sich die Zuschauer auf der Ladefläche von 7,5 Tonnern safari-mäßig von Sektion zu Sektion hinter "ihrer" Fahrzeugklasse herfahren lassen. Wir finden Paul und Frank, der den Beiwagenplatz anstelle von Pauls Tochter eingenommen hat. Die Gespanne sind schon seit 12:00 Uhr unterwegs und jetzt um kurz nach 14:00 Uhr sind sie erst bei Sektion 20 von 30. Die Konkurrenz setzt fast ausschließlich auf scheibengebremste, moderne Trialgespanne, die aus einem Stück dickerem Blumenbindedraht gebogen zu sein scheinen. Aus leichtem und hochfesten Alu-Blumenbindedraht. Trotz der Schutzkleidung können wir auch reine Frauen-Teams und recht junge Leute in Trialgespannen ausmachen. Statt einmal im Jahr "Muttertag" oder "Tag der Frau" fahren sie selbstverständlich im sonst eher männerdominierten Motorsport mit und werden aus ehrlichem Respekt für ihre Leistungen beklatscht und nicht wegen der Quote. Wir machen einige Fotos, die hoffentlich trotz der widrigen Witterungsverhältnisse etwas geworden sind. Paul und Frank nutzen eine 50:50-Chance bei einer schmalen, steilen und schlammigen Auffahrt, weichen einem verträumten Funktionär aus und landen auf dem Dach. Aufgestanden, kurz geschüttelt und weiter geht es, mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Nicht nur bei der Technik ist vieles Einstellungssache... Wir folgen ihnen zu Fuß zur nächsten Sektion. So ist der erste Plan. Als sie allerdings am Horizont der waldigen und hügeligen Gegend verschwinden, bergen wir zuerst die Ural und fahren zum ersten Teil der Kiesgrube zurück, wo wir sie vermuten. Auf der Suche nach den Gespannen laufen wir durch die tiefer werdenden Pfützen und ich denke über die Möglichkeit nach, mit meiner Cross-251er als "Kriegsberichterstatter" hinter dem Fahrerfeld herzufahren. Das ist meines Erachtens nach die einzige Möglichkeit, auf einem so verzweigten Gelände dran zu bleiben. Außer selber mitzufahren, natürlich. Bevor wir die Gespanne wiederfinden, entdecke ich eine Trial-RT. Nein, keine BMW, sondern eine MZ. Sie hat einen Fahrradsattel mit verchromten Federn, Gradwegfederung und eine Faxe-Dose als Luftfilter. Ich frage mich, warum sie da am Rande steht, bis ich das geschmolzene Zündkabel auf dem Krümmer klebend entdecke. Der Fahrer hat das noch gar nicht gesehen und freut sich über den Tipp. Zum Dank liefert er eine gute Vorstellung, als er mit dem Apparat eine sechs Meter hohe Böschung hochfährt, ohne sichtbar an Fahrt zu verlieren. Rennmotorrad, Trailmaschine, Langstreckentourer, Oldtimer, die RT 125 ist zu allem fähig, wenn der Pilot und Schrauber zu allem fähig ist. Meine frisch gefetteten Bundeswehrstiefel sind mittlerweile komplett durchnässt und die Schlammabsätze sind straßenstrichtauglich. Deswegen gondeln wir ins Fahrerlager zurück, um einen Schwerpunkt auf die Nahrungszufuhr zu legen. Im ersten Teil der Scheune wird weiter fleißig aufgebaut, aber es gibt keinen Kaffeestand. Da entdecken wir eine unscheinbare Holztür am Ende der Scheune. Dahinter liegt eine gemütlich eingerichtete Schrauberwerkstatt mit alten Reifen, Trial-Postern und englischen Technikbrocken überall im Raum und an den Wänden. Bierzeltgarnituren sowie ein riesiger Holzofen laden zum Verweilen ein. Ich entdecke einen herrlichen (selbstgemachten!?) Kartoffelsalat, der mein Leistungsgewicht verschlechtert. Inzwischen sind Paul und Frank eingetroffen. Wir reden Benzin und wägen die Vorteile der jeweiligen Staatsbürgerschaften bei Steuern, Tüv und Versicherung ab, kommen aber zu keinem entgültigen Ergebnis. Der 4-Gang-Motor wechselt den Eigentümer und vor dem Abschied wird noch ein Kaffee getrunken.

Nach knapp zwei Stunden kommen Ben und ich wieder gut in Hannover an. Lediglich mein Blinker brauchte etwas Zuwendung, ansonsten lief alles ohne technische Halts ab. Ich hoffe, dass auch der zweite Tag ebenfalls ein voller Erfolg gewesen ist und bedanke mich bei den Ausrichtern und Teilnehmern für den unterhaltsamen Tag!

VlG -- Jens Nolden [1] www.gespanntrail.de

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