HanseClassics am 08.03.2003

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Jens Noldens Bericht in der MZ-Liste:

Moin!

Am letzten Samstag, dem 08.03.2003, hat der Celler Trialclub sein Gelände für die Hanse-Classics zur Verfügung gestellt. Wir fahren zu zweit mit dem M*Z**, Ben Böse, der Russen-Boxer-Fahrer vom hannoveraner Stammtisch und ich. Walter kommt mit eigenem Wagen, Dieter mit dem Gespann und Martin mit Sohn im Bus. Henrik und Christine fahren ebenfalls in der überdachten Zündkerze.

Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens: Grauer, nieseliger Himmel, grau-blauer 2-Takt-Nebel, graue Haare. Um den olfaktorischen Reiz auf den Punkt zu bringen: Der Geruch von verbranntem Sprit und Öl mischt sich mit dem Geruch von feuchtem Wald am morgen.

Überwiegend ältere Herrschaften knattern und bollern stehend auf ihren Pre65-Moppeds bergan und -ab. Dazwischen brechen junge Familien (ja, auch Mutti "trialt"!)auf feinen Stollenreifen durchs Dickicht.

Es dauert eine Weile, bis das fette Grinsen von meinem Gesicht verschwindet, auch Ben kann sich nur schwer beherrschen. Freundlich erwiedern die Fahrerinnen und Fahrer unser Grinsen mit einem Willkommensgruß, die scheinen das Phänomen also zu kennen...

Die ebenfalls angetretenen sogenannten Twin-Shockers, also Trail-Maschinen mit zwei hinteren# Federbeinen, arbeiten den Sprit eher verhalten zu Antriebskraft um. Dafür sind sie oft gebraucht für ein paar Markt zu erwerben, was dem Fahrspass natürlich keinen Abbruch tut!

Relativ schnell haben wir unsere Favoriten gefunden: Ein BMW-Einzylinder, von Gradweg auf Schwinge hinten umgebaut, bollert durch den Modder. Als Walter den Fahrer auf die Hinterradübersetzung anspricht, erwiedert der nur: "Die hab ich geändert..." Was das bei einem so seltenen Kardanmodell für ein Aufwand ist, mag sich jeder selber vorstellen.

Einige kleiner Tiger Cubs wehren sich behende mit Bowdenzügen und Zündaussetzern gegen den Einsatz im Schlamm, obwohl sie sehr sorgfältig gegen Unbill von unten präpariert sind.

Mein Favorit bei den alten Maschinen ist eine Zündapp, zumindest steht das auf dem Motor, der sehr abenteuerlich in den Rahmen gehangen wurde.

Das Geräusch erinnert an die Moppeds derselben Marke, die in ländlichen Gegenden von älteren Leuten mit Jet-Helm und Kippe im Mund bewegt werden, gerne durch Top-Case und / oder einen Kasten Bier geschmückt. Ballonseide und Gummistiefel ersetzen die Papageienkombi und der Cordhut wird erst seit der Einführung der Helmpflicht nicht mehr aufgesetzt, naja, zumindest meistens. Abschließend gekrönt wird das ganze durch die Hängerkupplung, welche oft eigentümliche Hänger-Konstruktionen hinter den Moppeds herzieht.

Doch zurück in die Gegend um Celle: Geblieben ist der Motorsound, geblieben sind Ballonseide und Gummistiefel, weg(-geflext) ist alles, was Gewicht kostet.

Beeindruckt bin ich von den Leistungen der FahrerInnen. Ziemlich sauber fahren die Männer und Frauen mit den Oldies durch die Parcours. Gerade die Zündapps haben ein gutes Leistungsgewicht, einen kurzen Rahmen und mit dem richtigen Fahrer alle Chancen auf den Sieg.

Auch der Nachwuchs fährt mit, etwas dynamischer zwar, aber nicht weniger erfolgreich! Wenn ich die Wege mit dem Fahrrad fahren könnte, wär ich schon zufrieden...

Die Szene kennt sich schon viele Jahre, man bewertet sich gegenseitig, um einen extra bezahlten Punktrichter einzusparen. Obwohl wir fremde Gesichter sind, werden wir überall freundlich gegrüßt, das "Fahrerlager" ist frei zugänglich, man fühlt sich eher an ein großes internationales spinnersches MZ-Listentreffen [tm] als an einen knallharten Wettbewerb erinnert.

Das es ein solcher und nichts anderes ist erleben wir dann auch hautnah. Mit einem schweren Engländer fast senkrecht eine moosige Strecke runter, das ist gefährlich! Der Baum, der sich plötzlich und unerwartet in den Weg stellt, sorgt für einen tollen Abstieg.

Die anwesenden Ehefrauen, wegen des Nieselregens unter die Bäume gekauert, kommentieren jeden Patzer lautstark und scheinen sich so für die vielen einsamen Stunden, wo Vati in der Garage oder im Keller werkelte, rächen zu wollen. "Hansi, biste jetzt tot?" ist da schon ein recht normaler Spruch, als sich das schwere Eisen vor einer engen Kehre seines Fahrers entledigt und dieser maikäferartig auf dem Rücken liegt.

Ich denke, das ist ein faires Ehe-Handicab: Während die verheirateten Trialer die Stullen geschmiert bekommen, können die Junggesellen ohne Kommentierung fahren, müssen sich jedoch selber um die Verspflegung kümmern. Ist doch irgendwie gerecht, oder?!

Gegen 15:30 Uhr, also ca. zwei Stunden vor dem Ende der Veranstaltung, die sich über 13 liebevoll gebaute Sektionen erstreckt, fahren wir nach Celle, wo bei deftigem Eisbein, Sauerkraut und Pfannenschlag über Trial-Projekte, Umbauten und Gewichtsoptimierung (sic!) debattiert wird.

Wer also Spass an alten Kisten, gediegenen Fahrern und Moppedfahren in Vollendung hat, der möge sich auf den oben erwähnten Webseiten eine Trial-Veranstaltung in seiner Nähe raussuchen und einfach mal vorbeischauen!

Viel Spass beim Fahren und Schrauben sagt

Jens Nolden

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