Wellness zum Geburtstag
Aus Aka_wiki
Moin!
Nochmal vielen Dank für die schöne Idee beim Geburtstagsgeschenk!
Habe heute meinen Wellness-Gutschein eingelöst. Allerdings war es Wellness der anderen, eventuell extremeren Art: Sturmhaube statt Gurkenmaske, Helm statt Dampfpeeling, Kampfstiefel statt Fußreflexzonenmassage, lediglich die Schlammmpackung war stilecht :)
Schön um 10:00 war ich aufgerödelt beim Quadcenter Hannover, etwas später trafen dann auch die Herren Vermieter ein. Eine junge Dame gab mir die Einweisung ins Gerät, was den Herrn nicht daran hinderte, es mir kurz darauf trotzdem nochmal zu erklären. Auch auf die Gefahr hin, dass jemand antwortet: Sehe ich so behämmert aus? :)
Das Gerät wird per rechtem Daumen beschleunigt und mit rechtem Fuß und ebendieser Hand gebremst. Eingekuppelt wird per Fliehkraft, der linke Hebel ist als Feststellbremse gedacht. Da allerdings die meisten Fahrer das Kuppeln mit Links gewöhnt sind, ist die ausgenüdelte Feststellbremse eher symbolisch zu sehen... Alle fünf Gänge gehen von unten nach oben, wobei der erste ein stark untersetzter Geländegang ist, der für Kunststücke benötigt wird. Angefahren wir in Gang Zwei, wobei aber eigentlich jeder Gang zum Anfahren geeignet ist. Wenn im Leerlauf ein Hebel umgelegt wird, kann man unterhalb des Leerlaufs per Schalthebel den Rückwärtsgang einlegen.
300ccm und rund 20 4-Takt-PS haben mit ca. 230 kg Kampfgewicht, den Monsterreifen und dem Windwiderstand arg zu kämpfen. Bei 92,5 km/h ist Schluß, mit zusätzlichem Passagier schon rund 10km/h eher. Der Motor klingt wie eine XT 600 und ist theoretisch auch auf Drehmoment ausgelegt. Das Getriebe verlangt aber eher Drehzahlen, was zu einer ordentlichen Dauervollgasorgie führt :)
Eher unbeholfen eiere ich vom Hof, das Daumengas erinnert an selige Autorennbahn-Zeiten mit Handpotentiometer. Bis ich da das nötige Feingefühl hatte, sind auch einige Wagen gegen die Wand geflogen :) Zuerst geht es nach Norden, da Uwe Mill samt Gattin Petra mir ihre Kabeltrommel und den Pavillon geliehen haben und ich dafür persönlich Dank aussprechen will. Da Uwe die Werkstatt schon verlassen hat, wo er Schweißnähte an seinen Galopper macht, treffe ich ihn im warsten Sinne des Wortes bei "Abflug" zur Arbeit. Danach geht es zu Viagra-Dieters Kleintierzoo. Zwei Hunde und zwei Katzen sorgen dafür, dass der Nachwuchs auch ohne Fernsehen keine Langeweile erleiden muss. Erinnert mich an den alten Spruch vom Gabentisch, der öd und leer ist und wie der arme Vater mit Körperfunktionen das Weihnachtsfest rettet :) Wir essen süßes und trinken salziges.
Auf dem Weg zu Dieter ist der Tank leer! Was geht da überhaupt rein? frage ich mich. Die mit Reserve angefahrene Beinzinausgabestelle bringt Licht ins Dunkel: Rund 6,5 Liter passen in den Tank. Schließlich düse ich bei weiterhin schönstem Wetter in die hanOMacke, um dort mit Kathi einen Kaffee zu nehmen. Anschließend fahren wir gemeinsam zum Steinhuder Meer, weil da die Sonne so schön untergeht. Wieder wird getankt. Nun muss Kathi plötzlich und unerwartet zu einer Uni-Veranstaltung, weswegen ich den Daumen nach einer weitern Tankpause permanent gedrückt lasse. 58km weiter tanke ich 4,56 Liter, womit sich das Kawasaki-Quad im Mazda-Bereich befindet! Saufen wie ein Pferd, aber fahren wir ein Pony :)
Nachdem Kathi leidlich rechtzeitig zuhause abgesetzt ist, geht es zu einer Wellness-Entschlackungskur bei einem auf Federvieh spezialisierten Besatzerbrötchenbäcker. Wir haben in Hannover an der B6 eine Experimentalversion, wo neue Sachen ausprobiert werden. Chili-Käsesoße an den Freedom-Fries und das Ganze auf Porzellan!
Nun fahre ich gen Osten und beehre das gute alte Expogelände. Hinter dem litauischen Pavillon gibt es ein kleines Quadparadies mit Sandhaufen, Grünflächen, Hügeln, Schrott und so weiter. Da ich gerade 700 Euro Studiengebühren in die marode Landeskasse verklappt habe, deren Boden durch die "schöngebergerte" Expo in den unendlichen Weiten residiert, habe ich kein soo schlechtes Gewissen, dieses Fleckchen Hannover heute kurz für mich zu beanspruchen.
Überhaupt, trotz der 20 PS ist man innerstädtisch ständig mit einem Punkt in Flensburg und mit dem anderen im Knast. Nur durch mein fortgeschrittenes Alter kann ich die nötige Beherrschung aufbringen und schon nach circa 18 Kreisen auf den Vorderrädern auch der Hinterhand wieder etwas Bodenhaftung zukommen zu lassen.
Wer sich fragt, wie sich so ein Gerät fährt, dem sei folgendes gesagt: Wer MZ-Gespann fährt, kann alles fahren :) Das Quad ist zumindest nicht allzuweit vom MZ-Gespann entfernt. Wabbelige Räder, superelastisches Kurvenverhalten. Dazu kommt eine sehr direkte Lenkung, welche die Impulse allerdings erst nach der gewerkschaftlich vereinbarten Pause an die Reifen weitergibt. 0,7 Bar Niederdruckreifen haben ihren eigenen Willen! Zuweilen erinnert es an MZ-Gespannfahren, wobei es nur Rechtskurven gibt. Auch der Vergleich mit einem fliegenden Teppich lag mir zwischenzeitlich nahe. Wenn das Teil Straßenreifen und Allrad hat, tiefergelegt wird und ca. 98 PS bekommt, könnte große Freude aufkommen, für mich reichte das Gefährt aber zum Kennenlernen des Genres. Evtl. kann ich ja "Wintertarife" aushandeln, da ich wohl für die nächsten Monate der einzige bin, der die Teile mietet, sie aber keine Saisonkennzeichen haben...
Nachdem ich fast 12 Stunden die StVo verbogen habe, ohne dass sich wesentliche Konsequwnzen gezeigt hätten, erschien hinter mir rote Schrift auf silbernem Auto mit einer nicht sehr liebevollen Botschaft, die wohl mich angehen sollte. Instinktiv gab ich Gas, was bei dem Gedanken an die letzten 12 Stunden Quadden und die lange Winterzeit ohne Führerschein wie von selber kam. Schnell wurden die Kameraden kleiner im Spiegel, dafür ging der Weihnachtsschmuck auf dem Dach an. Da es reicht, wenn einer leuchtet, schalte ich meine Beleuchtung aus, da ich so weniger PS in die LiMa leiten muss. In Schlangenlinien überhole ich die heute wenig solidarischen Mitverkehrsteilnehmer, welche aber feige der Staatsgewalt Platz machen. Als die Rennleitung mit Musik ihr Recht an roten Ampelkreuzungen fordert, kontere ich mit einer Treppe, einem Fußgängerüberweg und einem Stück Fußgängerzone. Nicht nur als moralischer Sieger tuckere ist StVo-gemäß zur nächten Wache, steige von meinem Gerät ohne es abzuschließen und nehme die Üstra bis zu meiner Heimatwache. Dort melde ich das Quad artig als gestohlen und gehe zu Bett.
Wer sich jetzt wundert, hat Recht. In Wirklichkeit fand lediglich eine normale Verkehrskontrolle statt, wo der "Bärenführer" dem Jungb*llen den Unterschied zwischen einer Motorradzulassung (Helmpflicht) und einer KFZ-Zulassung (Warndreieck und Pflasterkasten) bei Quads erläutert. Leider hat der Vermieter-Hoschie mir keinerlei Papiere mitgegeben, so daß diese morgen auf der Wache nachgereicht werden müssen. Es wird eine interessante Diskussion, wer von uns beiden (Vermieter vs. /me) das machen darf. Für einen Moment habe ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, den Cop zu fragen, ob er sich nicht schämt, so ein offensichtlich hirnrissiges Wirrwarr der Zulassungsstelle an mir und meiner Zeit auszulassen, während die wirklichen Gangster[1] unbehelligt ihrem Tag- und Nachtwerk nachgehen können. Da er aber nicht so aussah, als wenn er für meine Argumentation offene Ohren hätte, musste ich die Gerechtigkeit mit ein paar Ruhestörungen, kleineren Geschwindigkeitsübertretungen und einer kirschgrünen Ampel wieder herstellen ;)
[1] Die Reformlüge, von Albrecht Müller: Albrecht Müller Meine Empfehlung! ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
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VlG -- Jens Nolden
PS: Der Polizeioberhauptmeisterkommissaranwärterausbilder wollte mir seine Karte geben, damit ich ihn morgen wiederfinde. Soweit ganz nett. Als er aber keine Karte mehr hatte, brach so etwas wie Panik aus. Mühsam wurde ein Stift und ein Papier zu dem Mann gebracht. Als ich seine an Keilschrift erinnernde Handschrift auf dem Papier wiederfand, wurde mir klar, warum er ohne seine Vistenkarten aufgeschmissen ist. Statt Einkaufszettel zu schreiben klebt der bestimmt Bilder aus den Anzeigenblättern auf ;))
